Was ist die Abzug­steuer?

Als Abzug­steuer wird die Einkom­men­steuer bezeichnet, die von beschränkt steu­er­pflich­tigen Nicht-Österreicher/-innen in Öster­reich bezahlt werden muss. Konkret betrifft die Abzug­steuer natür­liche und juris­tische Personen (GmbH etc.), die weder einen Wohnsitz oder gewöhn­lichen Aufenthalt noch eine Geschäfts­stelle bzw. Sitz in Öster­reich haben. Das besondere bei der Abzug­steuer ist, dass die Haftung für die Abzugs­steuer beim Leis­tungs­emp­fänger von auslän­di­schen Leis­tungen liegt.

Welche Einkünfte unter­liegen der Abzug­steuer?

Folgende Einkünfte unter­liegen der Abzug­steuer:

  • Selb­ständige Tätigkeit als Schriftsteller/-in, Vortragende/-r, Künstler/-in, Architekt/in, Sportler/-in, Artist/-in oder Mitwirkende/r an Unter­hal­tungs­dar­bie­tungen
  • Gewinn­an­teile von Gesell­schaftern einer auslän­di­schen Perso­nen­ge­sell­schaft, die an einer inlän­di­schen Perso­nen­ge­sell­schaft beteiligt sind
  • Einkünfte aus der Über­lassung von Rechten (zB Lizenz­ge­bühren)
  • Aufsichts­rats­ver­gü­tungen
  • Einkünfte aus im Inland ausge­übter kauf­män­ni­scher oder tech­ni­scher Beratung
  • Einkünfte aus der Gestellung von Arbeits­kräften zur inlän­di­schen Arbeits­aus­übung
  • Bestimmte Einkünfte aus auslän­di­schen Immobilien-Investmentfonds
  • Einkünfte aus einer echten stillen Betei­ligung an einem inlän­di­schen Unter­nehmen

Was muss man als Leistungsbezieher/-in beachten?

Folgendes ist zu tun, um eine Haftung als Leistungsempfänger/-in dieser Einkünfte zu entgehen. Der inlän­dische Zahler bzw. Zahlerin muss zB. 20 % des verein­barten Honorars bzw. der Einnahmen inkl. aller Kosten­er­sätze und Spesen einbe­halten. Außerdem muss man dem Finanzamt gemeinsam mit der Steuer bis zum 15. des Folge­monats eine Meldung erstatten und Aufzeich­nungen über den Zahlungs­zeit­punkt sowie die Höhe führen.

Voraus­setzung für den Steu­er­abzug in Öster­reich ist jedoch das Vorliegen von Einkünften beim auslän­di­schen Leis­tenden, das bedeutet, dass Lieb­ha­berei von der Abzugs­steuer ausge­schlossen ist. Von Lieb­ha­berei ist generell auszu­gehen, wenn die ausgeübte Tätigkeit nicht auf Gewinn­ab­sicht ausge­richtet ist, oder die Tätigkeit im Zusam­menhang mit der privaten Lebens­führung des Steu­er­pflich­tigen steht. Zur Beur­teilung, ob Lieb­ha­berei vorliegt, ist auch die im Zusam­menhang stehende Tätigkeit im Ausland zu berück­sich­tigen. 

Die Beur­teilung, ob Lieb­ha­berei vorliegt, oder ob der/die Leis­tende der beschränkten oder unbe­schränkten Steu­er­pflicht unter­liegt, liegt beim Leis­tungs­emp­fänger. Weiters können Doppel­be­steue­rungs­ab­kommen das Besteue­rungs­recht Öster­reichs auf beschränkt steu­er­pflichtige Einkünfte einschränken, wenn sie zB. einen nied­ri­geren Steu­ersatz vorsehen, oder Öster­reich das Besteue­rungs­recht ganz entziehen. 

Die vom Leistungsempfänger/-in einzu­be­hal­tende Abzug­steuer beträgt abhängig von der Art der Einkünfte 20%, 25% (Einkünfte aus Immo­bi­li­en­in­vest­ment­fonds und stille Betei­li­gungen) oder 27,5 % (KESt). 

Beson­der­heiten bei auslän­di­schen Künstler/-innen

Besonders auslän­dische Künstler/-innen, die an einer inlän­di­schen Unter­hal­tungs­ver­an­staltung mitwirken, werden bei den Einkünften, die der Abzug­steuer unter­liegen, oft vergessen. In Bezug auf die Besteuerung der Künstler/-innen ist zu unter­scheiden, ob der öster­rei­chische Veran­stalter Rechts­be­zie­hungen direkt zum auslän­di­schen Künstler bzw. Künst­lerin unterhält oder lediglich zu einer Künst­ler­agentur. Im letzt­ge­nannten Fall, hat der VwGH entschieden, dass nur jener Anteil der Abzug­steuer unter­liegt, der zu Einkünften des Künstlers bzw. der Künst­lerin führt. Auch was unter einem/einer »Künstler/-in« zu verstehen ist, wird  vom VwGH weit ausgelegt. Unge­achtet der Qualität stellt jeder öffent­liche Auftritt eine »künst­le­rische Tätigkeit« dar. Der VwGH versteht unter anderem Schauspieler/-innen, Foto­mo­delle, Sänger/-innen und Werbeträger/-innen als »Künstler/-innen«. Bezogen auf Privat­per­sonen ist grund­sätzlich eben­falls von einer Verpflichtung zum Steu­er­abzug auszu­gehen.

Für Baga­tell­fälle, wurde von der Finanz­ver­waltung eine Erleich­terung vorge­sehen. So kommt es zu einer Befreiung von der Abzug­steuer, wenn das Honorar des Künstlers bei maximal 440 € pro Veran­staltung bzw. maximal bei 900 € vom selben Veran­stalter liegt. Dabei ist zu beachten, dass die Kunst­schaf­fende Person bzw. der/die Sportler/-in gegenüber dem inlän­di­schen Veran­stalter schriftlich erklärt, dass ihre/seine Einkünfte, die der öster­rei­chi­schen Besteuerung unter­liegen, im Kalen­derjahr den Gesamt­betrag von 2.000 € nicht über­steigen werden. Diese Verein­fa­chung ist jedoch bei Musikern und Musik­gruppen, die bei Tanz­ver­an­stal­tungen auftreten, nicht anwendbar.

Für eine detail­lierte Auskunft können Sie sich gerne jederzeit mit uns in Verbindung setzen. Wir verein­baren gerne mit Ihnen einen Bera­tungs­termin.