Fremd­üb­lichkeit im Steuerrecht

Der Begriff Fremd­üb­lichkeit bzw. die fremd­üb­liche Betrachtung, spielt in vielen steu­er­lichen Bereichen eine große Rolle. Prin­zi­piell wird darunter verstanden, dass ein unter­neh­me­ri­sches Geschäft, um als solches aner­kannt zu werden, auch unter­neh­me­risch gestaltet sein muss.  Dabei darf es keinen Unter­schied machen, ob die Person, mit der ein Geschäft abge­schlossen wird, eine Person aus dem nahen Ange­hö­ri­gen­kreis, ein Bekannter oder eine unbe­kannte dritte Person ist.

In der Einkom­mens­steuer zeigt sich das besonders bei nach­fol­genden Fallkonstellationen:

  1. Einlagen- und Entnahmen aus dem Betriebs­ver­mögen sind zu bewerten und je nach Einlage- oder Entnah­me­sach­verhalt zu besteuern. Beispiels­weise wäre eine Entnahme eines Gegen­standes, welcher zuvor vom Unter­nehmen ange­schafft wurde und dadurch auch mittels der unter­neh­me­ri­schen Einnahmen bezahlt und die Kosten dementspre­chend zur Gewinn­re­duktion abge­schrieben wurden, ohne eine Bewertung zum Entnah­me­stichtag nicht fremdüblichen.
  2. Generell dürfen keine Ausgaben als Betriebs­aus­gaben dekla­riert werden, die zwei­felsfrei in den Privat­be­reich gehören. Ein privates Essen mit Freunden kann etwa nicht als Aufwand im Betrieb ange­setzt werden. Die Bezahlung einer privaten Strafe aufgrund von Schnell­fahrens kann eben­falls nicht im Betrieb abge­schrieben werden, auch nicht wenn es die Fahrt zu oder von einem Kunden war.

Noch offen­sicht­licher wird die Relevanz der Fremd­üb­lichkeit im Bereich der Gesell­schaften (OG, KG, GmbH, AG). Hier wäre es nicht fremd­üblich, wenn ein Gesell­schafter seine eigenen Waren an die Gesell­schaft unter Wert verkauft. Auch kann der Gesell­schafter die Waren der Gesell­schaft nicht einfach zum Selbst­kos­ten­preis entnehmen kann, ohne die steu­er­lichen Konse­quenzen zu beachten.

Im Bereich der Kapi­tal­ge­sell­schaften wird die Thematik noch brisanter, da hier der Gläu­bi­ger­schutz eine große Rolle spielt. Das heißt, dass eine verdeckte Ausschüttung an einen Gesell­schafter gleich­zeitig zu einer Schmä­lerung des zur Verfügung stehenden Vermögens für die Gläu­biger führt. Dies kann in letzter Konse­quenz auch straf­recht­liche Folgen nach sich ziehen.

Zudem erleben wir in der Praxis auch häufig, dass die Fremd­üb­lichkeit bei Miet­ver­trägen, Kredit­ver­trägen und Dienst­ver­trägen außer Acht gelassen wird.

Wir infor­mieren Sie im Rahmen unserer fach­lichen Beratung gerne im Detail über diese Themen und beur­teilen im Zuge der Erstellung der Buch­haltung oder des Jahres­ab­schlusses laufend, dass alle Sach­ver­halte dem Fremd­üb­lich­keits­kri­terium stand­halten können und sichern so die Einhaltung aller steuerrechtlichen- und straf­recht­lichen Bestimmungen.