Betriebs­aus­ga­ben­pau­schale für Klein­un­ter­nehmer

Schon bisher durften bei Einkünften aus selb­stän­diger Arbeit oder aus Gewer­be­be­trieb im Rahmen der Gewinn­ermittlung gem. § 4 Abs 3 EStG die Betriebs­aus­gaben pauschal ermittelt werden. Bisher war nur die Umsatz­grenze der Umsätze gem. § 125 Abs 1 BAO des voran­ge­gan­genen Wirt­schaftsjahr mit 220.000 Euro relevant. Unter dieser Grenze konnten Betriebs­aus­gaben mit 6 % oder 12 % pauscha­liert werden. Diese Form der Pauscha­lierung bleibt weiterhin bestehen.

Zusätzlich wurde nun vom Gesetz­geber eine neue Pauscha­lie­rungs­me­thode gem. § 17 Abs 3a EStG einge­führt. Diese Pauscha­lierung gelangt erstmals ab 2020 zur Anwendung. Um eine Entlastung und Entbü­ro­kra­ti­sierung zu ermög­lichen, wurde die Umsatz­grenze für die Anwendung der neuen Betriebs­aus­ga­ben­pau­schale an die Umsatz­steu­er­grenze von 35.000 Euro ange­passt. Mehr Infor­ma­tionen zur neuen Umsatz­steu­er­grenze finden Sie hier: https://www.remm-steuerberatung.at/erhoehung-der-kleinunternehmergrenze-auf-35–000‑e/

Leider gelang es dem Gesetz­geber nicht, die beiden Begüns­ti­gungen für Klein­un­ter­nehmer voll­ständig anzu­gleichen, dies auch deswegen, da es in der Natur der Sache liegt, dass Defi­ni­tionen und Rege­lungen in der Umsatz­steuer (Umsatz­steu­er­grenze) nie den Defi­ni­tionen in der Einkom­men­steuer (Betriebs­aus­ga­ben­pau­schale) entsprechen können. Bevor wir auf die Unter­schiede zwischen Umsatz­steuer und Einkom­men­steuer iZm mit der Umsatz­grenze von 35.000 Euro weiter eingehen, zeigen wir Ihnen hier die größten Unter­schiede zwischen der neuen Betriebs­aus­ga­ben­pau­scha­lierung und der alten weiterhin bestehenden Basis­pau­scha­lierung auf.

Ausnahmen (wer darf nicht pauscha­lieren):

Abge­sehen von der Umsatz­grenze von maximal 220.000 € im Vorjahr gibt es bei der Basis­pau­scha­lierung keine Ausnahmen, jeder kann die Pauscha­lierung in Anspruch nehmen. 

Von der neuen Betriebs­aus­ga­ben­pau­scha­lierung sind jedoch ausge­nommen:

  • wesentlich betei­ligte Gesell­schafter
  • Aufsichts­rats­mit­glieder
  • Stif­tungs­vor­stände

Umsatz­grenze:

Betriebs­aus­ga­ben­pau­scha­lierung (neu)

Basis­pau­scha­lierung (alt)

Umsätze gem. § 1 Abs 1 Z 1 UstG aller pauscha­lie­rungs­fä­higen Betriebe (exklusive Vermietung)

Max. 35.000 Euro im Veran­la­gungsjahr

 

Inklusive Umsätze im Ausland

Exklusive Entnahmen

Umsätze gem. § 125 Abs 1 BAO des betref­fenden Betriebes

 

Max. 222.000 Euro im Vorjahr

 

Inklusive Umsätze im Ausland

Inklusive Eigen­ver­brauch

Tole­ranz­grenze:

Bei der neuen Betriebs­aus­ga­ben­pau­scha­lierung ist eine einmalige Über­schreitung der Umsatz­grenze im Veran­la­gungsjahr unschädlich, wenn Umsätze maximal 40.000 Euro und Umsätze im Vorjahr < 35.000 Euro betragen. 

Bei der Basis­pau­scha­lierung gibt es keine Tole­ranz­re­gelung.

Gewinn­ermittlung:

Betriebs­aus­ga­ben­pau­scha­lierung (neu)

Basis­pau­scha­lierung (alt)

Betriebs­ein­nahmen netto exkl USt (nur bei USt-Pflicht)

Abzüglich pauschaler Betriebs­aus­gaben

Abzüglich Pflicht­ver­si­che­rungs­bei­träge

Abzüglich Grund­frei­betrag

Betriebs­ein­nahmen netto oder brutto (bei VSt-Pauschalierung zwingend brutto)

 

Abzüglich pauschaler Betriebs­aus­gaben

Abzüglich Pflicht­ver­si­che­rungs­bei­träge

Abzüglich Waren, Halber­zeug­nisse etc.

Abzüglich Löhne & Lohn­ne­ben­kosten

Abzüglich Fremd­löhne

Abzüglich USt-Zahllasten bei Brut­to­system

Abzüglich Grund­frei­betrag

Höhe der pauschalen Betriebs­aus­gaben:

Die neue Ausga­ben­pau­scha­lierung beträgt 20 % der Betriebs­ein­nahmen jedoch maximal 8.400 Euro bei Dienst­leis­tungs­be­trieben ansonsten 45 % der Betriebs­ein­nahmen jedoch maximal 18.900 Euro.

Die alte Pauschale für Ausgaben beträgt 6 % der Umsätze, jedoch maximal 13.200 Euro bei Tätigkeit im Sinne des § 22 Z 2 EStG, ansonsten 12 % der Umsätze, jedoch maximal 26.400 Euro. 

Bindungs­wirkung:

Betriebs­aus­ga­ben­pau­scha­lierung (neu): Eine Rückkehr nach frei­wil­ligem Abgehen von der neuen Pauscha­lierung ist frühestens nach Ablauf von drei Wirt­schafts­jahren zulässig. 

Basis­pau­scha­lierung: Eine Rückkehr nach frei­wil­ligem Abgehen von der alten Pauscha­lierung ist frühestens nach Ablauf von fünf Wirt­schafts­jahren zulässig. 

Die Unter­schiede im Vergleich zur Umsatz­steu­er­grenze finden Sie hier: https://www.remm-steuerberatung.at/unterschiede-zwischen-dem-umsatzsteuerrechtlichen-einkommensteuerrechtlichen-kleinunternehmer/?et_fb=1&PageSpeed=off