Was fällt unter Bildungs­kosten im Rahmen der Arbeit­neh­mer­ver­an­lagung?

7. April 2019 | Für Familien / Privat­per­sonen

Wann sind Bildungs­maß­nahmen steu­erlich absetzbar?

Aufwen­dungen für Bildungs­maß­nahmen sind als Werbungs­kosten abzugs­fähig, wenn sie Kosten für Fort­bildung, Ausbildung im verwandten Beruf oder eine umfas­sende Umschulung darstellen.

Was sind Fort- und Ausbil­dungs­kosten und wann sind sie absetzbar?

Eine Fort­bildung liegt vor, wenn bereits eine berufliche Tätigkeit ausgeübt wird und die Bildungs­maß­nahmen (z.B. berufs­be­zogene Kurse, Seminare) der Verbes­serung von Kennt­nissen und Fähig­keiten in Ausübung dieser Tätigkeit dienen. Fort­bil­dungs­kosten sind als Werbungs­kosten abziehbar. Auch kauf­män­nische oder büro­tech­nische Grund­aus­bil­dungen (z.B. EDV-Kurse, Internet-Kurse, Erwerb des euro­päi­schen Compu­ter­füh­rer­scheins, Einfüh­rungs­kurse in Buch­haltung, Kosten­rechnung, Lohn­ver­rechnung oder Steu­er­lehre) sind ohne Prüfung einer konkreten Verwert­barkeit im jewei­ligen Beruf abzugs­fähig (siehe auch „Sprach­kurse“).

Eine Ausbildung liegt vor, wenn die Bildungs­maß­nahmen zur Erlangung von Kennt­nissen dienen, die eine künftige Berufs­aus­übung ermög­lichen. Sie sind absetzbar, wenn sie im Zusam­menhang mit einer zum aktuell ausge­übten Beruf verwandten Tätigkeit stehen. Verwandte Tätig­keiten sind z.B. Friseur und Fußpfleger, Fleisch­hauer und Koch, Elek­tro­tech­niker und EDV-Tech­niker.

Steht eine Bildungs­maß­nahme im Zusam­menhang mit der bereits ausge­übten Tätigkeit, ist eine Unter­scheidung in Fort- oder Ausbildung nicht erfor­derlich, weil in beiden Fällen Abzugs­fä­higkeit gegeben ist. Aus- und Fort­bil­dungs­kosten unter­scheiden sich von der Umschulung dadurch, dass sie nicht „umfassend“ sein müssen, somit auch einzelne berufs­spe­zifische Bildungs­seg­mente als Werbungs­kosten abzugs­fähig sind.

Beispiele für abzugs­fähige Fort- und Ausbil­dungs­auf­wen­dungen:

  • Aufwen­dungen im Zusam­menhang mit dem Besuch einer HTL (Elek­tro­technik) durch einen Elek­triker
  • Aufwen­dungen im Zusam­menhang mit dem Archi­tek­tur­studium eines Baumeisters (HTL) an einer Tech­ni­schen Univer­sität
  • Aufwen­dungen einer Restau­rant­fachfrau im Zusam­menhang mit dem Besuch eines Lehr­ganges für Touris­mus­ma­nagement
  • Aufwen­dungen eines Tech­nikers im Zusam­menhang mit der Ablegung der Zivil­tech­ni­ker­prüfung
  • Aufwen­dungen im Zusam­menhang mit der Ablegung einer Berufs­rei­fe­prüfung oder dem Besuch einer AHS/BHS oder einem einschlä­gigen Univer­si­täts­studium durch öffentlich Bedienstete

Was sind Umschu­lungs­kosten und wann sind sie absetzbar?

Eine Umschulung liegt vor, wenn die Maßnahmen derart umfassend sind, dass sie einen Einstieg in eine neue berufliche Tätigkeit ermög­lichen, die mit der bishe­rigen Tätigkeit nicht verwandt ist, und auf die tatsäch­liche Ausübung eines anderen Berufes abge­zielt wird.

Beispiele für abzugs­fähige Umschu­lungs­maß­nahmen:

  • Ausbildung einer Arbeit­neh­merin aus dem Drucke­rei­be­reich zur Kran­ken­pfle­gerin
  • Aufwen­dungen eines Land­ar­beiters im Zusam­menhang mit der Ausbildung zum Werk­zeug­macher
  • Aufwen­dungen einer Schnei­derin im Zusam­menhang mit der Ausbildung zur Hebamme
  • Aufwen­dungen eines Studenten, der zur Finan­zierung seines Studiums Einkünfte aus Hilfs­tä­tig­keiten oder aus fall­weisen Beschäf­ti­gungen erzielt

Der Begriff „Umschulung“ setzt – ebenso wie Aus- und Fort­bildung – grund­sätzlich voraus, dass die oder der Steu­er­pflichtige im Umschu­lungsjahr eine Tätigkeit ausübt, wenn auch nur einfache Tätig­keiten oder fall­weise Beschäf­ti­gungen.

Tipp Beginn eines Medi­zin­stu­diums im Oktober 2017 und Aufnahme einer Tätigkeit als Taxi­fahrer im Februar 2017. Die Studi­en­kosten können ab dem Jahr 2018 als Umschu­lungs­kosten abge­setzt werden

Umschu­lungs­kosten sind auch dann steu­erlich zu berück­sich­tigen, wenn der andere Beruf, auf den die umfas­sende Umschu­lungs­maß­nahme abzielt, nicht als Haupt­tä­tigkeit ausgeübt wird.

Wurde bereits ein Beruf ausgeübt, hindert eine einge­tretene Arbeits­lo­sigkeit die Abzugs­fä­higkeit von Umschu­lungs­kosten sowie von Aus- und Fort­bil­dungs­kosten nicht, unab­hängig davon, ob Arbeits­lo­sengeld bezogen wurde. Da eine Pensio­nistin oder ein Pensionist keine Erwerbs­tä­tigkeit ausübt, sind Bildungs­maß­nahmen jedweder Art (Fort­bildung, Ausbildung, Umschulung) grund­sätzlich nicht als Werbungs­kosten absetzbar. Davon ausge­nommen ist eine Früh­pen­sio­nistin oder ein Früh­pen­sionist, die bzw. der einen beruflichen Wieder­ein­stieg anstrebt. Die Beweg­gründe für eine Umschulung können durch äußere Umstände (z.B. wirt­schaftlich bedingte Umstruk­tu­rie­rungen des Arbeit­gebers oder sogar Betriebs­schlie­ßungen) hervor­ge­rufen werden, an einer Unzu­frie­denheit im bishe­rigen Beruf liegen oder einem Interesse an einer beruflichen Neuori­en­tierung entspringen. Die oder der Steu­er­pflichtige muss aber nach­weisen oder glaubhaft machen, dass sie oder er tatsächlich auf die Ausübung eines anderen Berufs abzielt.

Davon kann jeden­falls ausge­gangen werden, wenn

  • die Einkunfts­er­zielung im früher ausge­übten Beruf auf Grund von Arbeits­lo­sigkeit nicht mehr gegeben ist oder
  • die weitere Einkunfts­er­zielung im bishe­rigen Beruf gefährdet ist oder
  • die Berufs­chancen oder Verdienst­mög­lich­keiten durch die Umschulung verbessert werden.

Die Umschulung muss umfassend sein. Aufwen­dungen der oder des Steu­er­pflich­tigen selbst im Zusam­menhang mit Umschu­lungs­maß­nahmen, die aus öffent­lichen Mitteln (AMS) oder von Arbeits­stif­tungen gefördert werden, sind immer im Ausmaß der selbst getra­genen Kosten als Werbungs­kosten abzugs­fähig. Aufwen­dungen für einzelne Kurse oder Kurs­module für eine nicht verwandte berufliche Tätigkeit sind hingegen nicht als Umschu­lungs­kosten abzugs­fähig (z.B. Aufwen­dungen für den Besuch eines einzelnen Kran­ken­pfle­ge­kurses, der für sich allein keinen Berufs­um­stieg sicher­stellt). Derartige Aufwen­dungen sind nur abzugs­fähig, wenn sie Aus- oder Fort­bil­dungs­kosten darstellen.

Sind Kosten für ein Studium absetzbar?

Die Kosten für ein Univer­si­täts­studium können als Fort­bil­dungs­kosten (z.B. Zweit­studium mit enger Verflechtung zum Erst­studium wie etwa das Studium der Betriebs­wirt­schafts­lehre durch einen Juristen), als Ausbil­dungs­kosten in einem verwandten Beruf (z.B. Betriebs­wirt­schafts­studium eines Indus­trie­kauf­mannes) oder als Umschu­lungs­kosten (z.B. Phar­ma­zi­e­studium einer Biblio­the­karin) absetzbar sein.

Dabei sind nicht nur Studi­en­bei­träge, sondern sämt­liche mit der Bildungs­maß­nahme zusam­men­hän­genden Kosten (z.B. Fach­li­te­ratur und Fahrt­kosten) abzugs­fähig.

Wie sieht es mit Kosten für berufs­bil­dende Schulen aus?

Kosten für berufs­bil­dende Schulen sind absetzbar, wenn sie mit dem ausge­übten oder einem verwandten Beruf zusam­men­hängen oder eine umfas­sende Umschulung darstellen. Absetzbar sind z.B. Aufwen­dungen einer Buch­hal­terin, die am Abend eine Handels­schule oder eine HAK besucht; eines leitenden Ange­stellten eines Export­un­ter­nehmens, der eine einschlägige Fach­hoch­schule besucht; oder eines Tech­nikers, der eine HTL besucht.

Können Kosten für die „private“ Ausbildung geltend gemacht werden?

Nicht abzugs­fähig sind Kosten für Ausbil­dungen, die haupt­sächlich die Privat­sphäre betreffen. Darunter fallen etwa Kosten für den B‑Führerschein, für Sport­kurse oder für Persön­lich­keits­bildung.

Die Kosten für den C‑Führerschein können Sie nur dann absetzen, wenn Sie den Führer­schein für den ausge­übten oder verwandten Beruf benö­tigen.

Welche Bildungs­kosten sind konkret als Werbungs­kosten absetzbar?

Absetzbar sind insbe­sondere:

  • eigent­liche Kurs­kosten (Kurs­beitrag)
  • Kosten für Unter­lagen, Fach­li­te­ratur
  • Kosten für „Arbeits­mittel“ (z.B. anteilige PC-Kosten)
  • Fahrt­kosten
  • allen­falls Tages­gelder (für die ersten fünf Tage, wenn der Kurs nicht am Wohnort oder Arbeitsort statt findet)
  • Näch­ti­gungs­kosten

Zu welchem Zeit­punkt und bei welchen Einkünften sind Bildungs­kosten absetzbar?

Aus‑, Fortbildungs- und Umschu­lungs­kosten sind wie alle Werbungs­kosten in jenem Jahr abzu­setzen, in dem sie geleistet werden. Fort­bil­dungs­kosten und Ausbil­dungs­kosten sind bei der bishe­rigen Tätigkeit als Werbungs­kosten geltend zu machen.

Kosten für eine umfas­sende Umschulung, die auf die tatsäch­liche Ausübung eines anderen Berufes abzielen, stellen soge­nannte „vorweg­ge­nommene Werbungs­kosten“ dar, die mit anderen (auch nicht­selb­stän­digen) Einkünften ausgleichs­fähig sind. Im Einzelfall können auch Fort­bil­dungs­kosten als vorweg­ge­nommene Werbungs­kosten berück­sichtigt werden (z.B. Kurs über Wert­pa­pier­recht bei Einstel­lungs­zusage einer Bank für die Wert­pa­pier­ab­teilung).

Die im Rahmen der Arbeit­neh­mer­ver­an­lagung bean­tragten Bildungs­auf­wen­dungen sind um die steu­er­freien Förde­rungs­mittel (z.B. Zuschüsse) zu kürzen. Bean­tragen Sie daher nur den Diffe­renz­betrag!

Beispiel

Wenn Ihre Weiter­bil­dungs­kosten 200 Euro betragen, Sie dafür 50 Euro an Förde­rungen refun­diert bekommen, können Sie bei der Arbeit­neh­mer­ver­an­lagung nur die Differenz von 150 Euro für Weiter­bil­dungs­kosten geltend machen.

 

Quelle: BMFABC der Werbungs­kosten